Lindenhof

Es handelt sich hier um den Originaltext aus dem Buch „Das Bürgerhaus in der Schweiz“ Band V, Kanton Bern, 1. Teil, 2. Auflage. Der Text ist nur bis 1941 nachgeführt. Daher ist der Text auch in einem speziellen Deutsch abgefasst.

Durch trotz seiner Einfachheit durchaus herrschaftliche Anlage zeichnet sich der seit 1888 Herrn Notar Gottfried Schmalz gehörige „Lindenhof“ auf dem Spychermätteli vor dem 1906 abgerissenen Bieltor aus. Das Haus steht in einem Garten auf einer Terrasse, etwas erhöht an der Landstrasse, und ist aus Mauerwerk aus Bruchstein (Tuff, Ziegel, Nagelfluh usw.) aufgeführt. Vom weissen Kalkverputz heben sich die Armierung der Hausecken, sowie die Tür- und Fensterumrahmungen aus grauem Solothurnstein vorteilhaft ab. Die Einförmigkeit des Daches wird durch die drachenartigen Wasserspeier gemildert.

Auch das Innere zeichnet sich durch die vielen Bauten aus dem Anfang des XIX. Jahrhunderts eigentümliche Kahlheit aus; die mit Sandsteinfliesen belegten Gänge und das Treppenhaus entbehren jeglicher Verzierung. Die geräumigen, zum Teil jetzt unterschlagenen Zimmer erhalten mehrfach noch alte grossmusterige Tapeten. Soweit sie nicht weiss vertäfert sind; beachtenswert sind einige grosse weisse Kachelöfen mit steil-pretiöser Blumenmalerei in schwarzer Farbe. An der Nordseite des Hauses ist eine geräumige Holzlaube mit offenem Ausgang im Erdgeschoss angebaut, an dessen Ende sich die Aborte befinden.

Der Grundstein des Gebäudes soll schon zu Ende des XVIII. Jahrhunderts der 1808 verstorbenen aus Hindelbank gebürtige Bärenwirt und Amtsstatthalter Franz Rupp zu Büren gelegt haben. Infolge der hereingebrochenen schlimmen Zeiten blieb dann der Bau stecken; nach dem Tode von Rupp gelangte die Liegenschaft zu verschiedenen Teilen an Verwandte seiner Frau, einer geborenen Kohler aus Büren.  Durch Auskauf der übrigen Erben vereinigte in den Jahren 1815 bis 1818 der Adjutant-Major und Weinnegotiant Johann Samuel Kohler alle Teile in seiner Hand. In den Kaufverträgen, die er zusammen mit seinem Bruder, dem Dragonerhauptmann und Weinnegotianten diesbezüglich mit den Kindern des Helfers Rudolf Stephani und mit seinen weiteren Verwandten Grossrat Friedrich Kohler, Handelsmann in Bern, und dessen Geschwister abschloss, ist von „neuen, noch nicht ganz ausgebauten Gebäude“ die Rede; ebenso im Tauschvertrag vom 1. September und 2. Oktober 1818, vermittelst welchen er auch den 1815 erkauften Anteil seines Bruders Karl Ludwig an sich brachte. Für ihre Weinhandlung und zugleich als Wohnhaus müssen also die Gebrüder Kohler, die einer der angesehensten und begütertsten Familien des Städtchens entstammten, zusammen mit den übrigen Mitbesitzern den Bau in den obenerwähnten Jahren ausgeführt haben; dass er von Anfang an zu Weinhandlungszwecken bestimmt wurde, beweisen die beiden grossen ungewöhnlich hohen gewölbten Keller mit Sandsteinbelag am Boden. Die Annahme, dass der erst am 8. Oktober 1863 als Oberstleutnant verstorbene Weinhändler Johann Samuel Kohler den Bau  des Hauses als Alleinbesitzer desselben zu Ende geführt hat, bestärkt eine im Dachstuhl aufgemalte Jahrzahl 1822. Nach seinem Tode ging der Lindenhof an seine Witwe Frau Marg. K. geborene in Kissling über, deren Erben es nach ihrem 1883 erfolgten Ableben dem heutigen Besitzer verkauften.